Die Zeit verging schnell, die Riesen langsamer. Sie waren sehr gealtert und machten sich Sorgen…

1. Kapitel Das verlassene Tal
Kapitel 1 Das verlasseneTal (01.12.)

Vor langer Zeit gab es weit, weit weg, in den hohen Bergen ein verlassenes Tal. Keiner weiß mehr, ob sich hier je ein Mensch oder ein Tier verirrt hatte. So galt dieses Tal als verlassen, weil sich dort, der Sage nach, wohl das Böse aufhielt. Deshalb war es ein Ort, der von Sagen und Märchen umwoben war, was aber den Riesen, dort abseits von den Menschen, die besten Voraussetzungen bot, um ungestört zu leben. So war dieses Tal nur anscheinend verlassen, es gab Tiere und sechs Riesen, die dort seit unendlicher Zeit friedlich zusammen lebten, in Einheit mit der Natur und allen Lebewesen, Tieren und Pflanzen. Sie pflanzten und pflegten ihre Apfelbäum, hatten sehr viel Zeit für sich und warenh immer gerne zusammen um gemeinsam Probleme zu lösen oder einfach nur soeben Erlebtes zu berichten. Sie lebten an jedem Tag im „Hier und Jetzt“, was zur Folge hatte, dass sie nie nachtragend waren oder skeptisch in die Zukunft blickten. Sie konnten jeden neuen Tags ohne Hass und Neid miteinander und die schönen Dinge, der Natur erleben. Die Schneeschmelze, das Blühen im Frühling, besonders ihrer Apfelbäume, denn die Riesen verdankten ihre Größe ihre Kraft und ihre Ausgeglichenheit dem Genuss von Äpfeln und dem daraus gewonnenen Saft. Jeder für sich hatte eine besondere Apfelsorte, die er durch geheimnisvolle Züchtungen geschaffen hatte. Als Konzentrat half nicht nur über den Winter, sondern wirkte wie eine Medizin bei Krankheiten. Für die abendlichen Treffen wurde ein aus allen Sorten Gemeinschaftssaft hergestellt, der ihre Zusammengehörigkeit zeigen sollte.
Um ihre Verbundendenheit zu Äpfeln auszudrücken, hatten sie Hütten gebaut, die wie große Apfel aussahen. Jede Jahreszeit stellte besondere Anforderungen an sie. Im Frühling wurde gepflanzt, Apfelbäume veredelt und die wärmende Sonne genossen. Der Sommer stand im Zeichen der Bewässerung von Bäumen und Gemüsepflanzen. Das klare und saubere Wasser mussten die Riesen einer weit entfernen Quelle entnehmen. Dies bedeutete zwar täglich immer ein anstrengender Weg, doch, weil sie immer alle gemeinsam zusammen loszogen, bot es auch eine Gelegenheit für Gespräche untereinander. Der Herbst wurde für Ernte und neues Pflanzen genutzt, im Winter schliefen sie sehr lange und trafen sich nur noch am Abend. Jeden Tag waren sich die Riesen bewusst, in welchem Paradies sie lebten, obwohl sie immer noch Furcht hatten, dass diese Ruhe und der Frieden mit dem Himmel mal ein Ende haben könnte. Es war doch nicht selbstverständlich, dass immer genügend Regen fiel, die Temperaturen stets wie im Vorjahr waren waren und keine Unwetter auftraten. Sie saßen zusammen, tranken den Apfelsaft der Gemeinschaft, der aus allen Sorten zusammengemischt war. An einem Abend, kurz vor dem Frühling, verdunkelte sich der Himmel besonders stark. Ein aufkommender Sturm und ein dumpfes Grollen beunruhigte sie nicht zu unrecht, denn am nächste Morgen waren sie von den Folgen des Unwetters so verunsichert, wie seit Hunderten von Jahren nicht mehr.
